Weiter zum Inhalt
Armut
10Dez

Deutschland, ein Suppenküchenstaat?

Stille Nacht, heilige Nacht? Oh Du Fröhliche? Fröhliche Weihnacht – wirklich überall? Weihnachten ist im christlichen geprägten Deutschland die Zeit der Besinnung, der Familie, der Einkehr. Und die Zeit der Kirchen. Mitten in die vorweihnachtliche Adventsstimmung platzt die ARD am kommenden Mittwoch nun mit einem Film zu einem Thema, das uns für einem Moment aus vorweihnachtlicher Beschäftigkeit und Konsum herausreißen dürfte: Armut. “Arm und abgeschrieben – Wer hilft aus der Krise?” ist der Titel einer Reportage von Clara Walther und Alessandro Nasini, die die provokante Frage stellt: “Ist Deutschland auf dem Weg in den Almosen- und Suppenküchenstaat”?

Die Frage ist berechtigt, denn in den letzten Jahren hat nicht nur Armut im reichen Deutschland, sondern auch – als eine der sichtbaren Folgen – die Zahl der Suppenküchen, Tafeln und Wohlfahrtsaktivitäten massiv zugenommen, allen voran die der großen Kirchen. Während die Tafeln weitestgehend auf Gemeindeebene organisiert und konfessionell neutral sind, firmieren die meisten der “Armenspeisungen” und Kleiderausgaben unter dem Dach kirchlicher Organisationen wie der Caritas.

Gerade in Zeiten, in denen durch die schwarz-gelbe Bundes- und Landesregierung die Handlungsfähigkeit des Staates (und damit der Gemeinschaft) durch unsoziale Steuersenkungen und Zermürbung der öffentlichen Haushalte immer weiter eingeschränkt wird, stellt sich die Frage, ob das Engagement der Kirchen Armut lindert oder zementiert. Sicherlich sind die Lebensmittel- und Kleiderausgaben für vielen Menschen in Armut und Not eine der wenigen Hilfen, auf die sie sich stützen können. Gleichzeitig wird damit aber politisch der Privat-vor-Staat-Ideologie Vorschub geleistet. Dabei muss ein Sozialstaat des 21. Jahrhunderts allen Menschen Existenz sichern und vor allem Teilhabe garantieren, durch eine ausreichend hohe Existenzsicherung, gute Bildung von Anfang an, das Recht auf eine warme Mahlzeit für jedes Kind, gesundheitliche Versorgung und und und. Dies ist eine öffentliche Aufgabe. Einen “armen Staat” können sich eben nur Reiche leisten.

Der kritische Blick des ARD-Beitrags verspricht spannend zu werden – und wird hoffentlich die Debatte darüber weiter befördern, dass “Privat vor Staat” eine Ideologie ist, die Menschen zu Bittstellern macht, anstatt ihnen Rechte und Teilhabe zu garantieren und zu sichern.

Diesen Artikel teilen:

Auf Twitter teilen Auf Facebook teilen

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
31 Datenbankanfragen in 0.434 Sekunden · Anmelden