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02Jun

Ressourceneffizienz – die Hemmnisse in der Arbeitswelt

Ein Gastbeitrag von Diplom-Kauffrau Kirsten Reinhardt, Grünes Mitglied des Kölner Rates

Auch wenn viel über Umweltschutz und Ressourceneffizienz gesprochen wird, fallen die Erfolge eher mager aus. In sehr vielen mittelständischen, aber auch großen Betrieben werden die Chancen einer ressourceneffizienten Prozessoptimierung nicht ausgereizt. Jürgen Hoffmann vom Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt die Hemmnisse und die möglichen Lösungsansätze auf.

Die Chancen ressourceneffizienten Handelns und Umweltschutz sind bekannt. Zahlreiche Projekte wurden schon von Bundes- und Landesministerien für Wirtschaft und Umwelt ins Leben gerufen, um die Wirtschaft beratend und finanziell zu unterstützen, beispielweise durch die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea), den Effizienzagenturen oder den KfW-Programmen. Auch die Arbeitnehmerinitiativen werden z.B. durch Projekte der Gewerkschaften, IG Metall und andere sowie durch das Projekt KoReBB (Kooperationsprojekt Ressourceneffizienz für Beschäftigte und Betriebsräte) des DGB Bildungswerk gefördert.

Der Grund liegt auf der Hand: Wer Material und Energie effizienter einsetzt spart unmittelbar Kosten und senkt die CO2 Bilanz. Laut einem aktuellen Ergebnis der demea aus den bisherigen Potenzialanalysen liegt das durchschnittliche Einsparpotenzial bei 220.000 Euro pro Unternehmen und Jahr. Das heißt, Unternehmen können Kosten in Höhe von durchschnittlich 2,5 Prozent ihres Umsatzes einsparen. Das große Einsparpotenzial erklärt sich daraus, dass im produzierenden Gewerbe Material- und Energiekosten mit über 50 Prozent den größten Kostenblock darstellen, weit vor den Personalkosten mit knapp 20 Prozent (basierend auf Daten des statistischen Bundesamt 2008).

Ein Blick auf die Produktivität bringt es auf den Punkt: Seit den 60er Jahren ist die Materialproduktivität nur um den Faktor 2 und die Energieproduktivität sogar nur um 1,5 gestiegen. Die Arbeitsproduktivität wuchs dagegen um den Faktor 4. Die Prognosen lauten: Unternehmen aus Industrie und Gewerbe könnten den Energieverbrauch innerhalb der kommenden Jahre um bis zu 20 Prozent senken – und das ohne Einbußen an der Produktivität.

Wie kann Nachhaltigkeit gelebt werden?

Aus Sicht von Betriebsräten, Personalräten und Mitarbeitervertretungen arbeiten erst in 65 Prozent der Betriebe strategisch daran, um einen kostengünstigen Einkauf von Energie und Ressourcen zu realisieren, erst in 36 Prozent arbeiten die Betriebe systematisch daran, die Produktionsmittel energieeffizienter umzustellen. Das sind Ergebnisse einer kürzlich bei Akteuren in der DGB Region Ostwestfalen-Lippe durchgeführten Umfrage, die von der TBS NRW in Kooperation mit dem DGB-Bildungswerk und dem Projekt KoReBB durchgeführt wurde.

An welchen Schrauben muss man drehen, damit Umweltschutz mit einer größeren Akzeptanz und damit Nachhaltigkeit gelebt wird? Wo sind die Probleme und Zielkonflikte zwischen Betriebsrat und Beschäftigten, Umweltbeauftragten und Geschäftsführung? Jürgen Hoffmann, Leiter des Kompetenzzentrums Betrieblicher Umweltschutz, Umweltpolitik und Nachhaltige Entwicklung des DGB Bildungswerk e.V., Düsseldorf, lokalisiert vier Problemebereiche.

1. Fachliche Probleme

Diese resultieren hauptsächlich aus den zahlreichen und hochkomplexen Rechtsvorschriften des Ordnungs- und Umweltrechtes, zum anderen aus persönlichen Qualifizierungsdefiziten. Ein Beispiel: Ist eine Anlage im produzierenden Gewerbe nicht mehr ausreichend, muss entschieden werden, ob eine neue Anlage angeschafft wird oder ob die alte ausgeweitet wird. Beides macht aufgrund von Umweltauflagen ggf. Genehmigungsverfahren notwendig, die bis zu fünf Jahren dauern können.

Der Betriebsrat ist über den § 89.2 Betriebsverfassungsgesetz dazu aufgefordert bei der Entscheidung mitzuwirken. Voraussetzung ist die fachliche Qualifikation des Betriebsrates, um die Nachhaltigkeit in Sachen Umwelt und Energie, Investitions- und Wirtschaftlichkeitsrechnung sowie zukünftige Arbeitsplatzbedingungen und -sicherung beurteilen zu können.

Lösungsansätze: „Aufgabe ist erstens, dass sich der Betriebsrat innerhalb des langen Planungs-Zeitfensters überhaupt mit der Umwelt-Problematik im Vorlauf auseinandersetzt und gegebenenfalls auch weitere sinnvolle Maßnahmen beim Anlagenbau einfordert – beispielsweise Regenwassernutzung oder alternative Dachnutzungen vorschlägt.

Zweitens kann es für den Betriebsrat aufgrund der Konzentration der Aufgaben sinnvoll sein, sich in Form von Qualifizierungsmaßnahmen zu Umweltexperten weiterzubilden, um sich produktiv und bereits in der Planungsphase an technischen Effizienzverbesserungsprojekten zu beteiligen“, erklärt Jürgen Hoffmann.

2. Organisatorische Probleme

Umweltbeauftragte stellen im verarbeitenden und produzierenden Gewerbe das Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Belegschaft dar. „Die Realität zeigt aber, dass sich Umweltbeauftragte aufgrund mangelnder Kompetenzzuschreibung im Bereich der Produktions- oder Anlagenplanung oft in einer isolierten statt in einer integrativen Situation befinden“, weiß Hoffmann. Eine angemessene innerbetriebliche Informationspolitik, die Barrieren abbaut, ist kaum möglich.

Ein weiteres Hemmnis stellen die langen Genehmigungsverfahren dar – der Betriebsrat müsste sich frühzeitig fachlich in Kooperation und/oder Rücksprache mit dem betrieblichen Umwelt-/Energie-/Nachhaltigkeitsbeauftragten einbringen und permanent informiert sein. Nur so ist zeitgerechtes Handeln möglich – dazu bedarf es einer gegenseitigen Anerkennung vor den jeweils unterschiedlichen fachlichen und betriebsorganisatorischen Hintergründen.

Letztlich ist auch der Beauftragte durch den Betriebsrat in Bereichen des Arbeitsrechts mit vertreten, ebenso wie der Betriebsrat und die Beschäftigten von den im Unternehmen umgesetzten Umweltschutzaspekten profitieren.

Lösungsansätze: „Erhebliche Verbesserungen der Material- und Energieeffizienz lassen sich nur durch eine starke Einbeziehung von Beschäftigten erzielen – diese kennen Ihren Arbeitsplatz am besten! Das erklärte Ziel ist, das Betriebsrat, Umweltbeauftragte und Geschäftsführung gemeinsam erfolgreiche Strategien für eine effizientere Ressourcennutzung entwickeln“, so der Leiter des Kompetenzzentrums.

3. Monetäre Probleme

Neben dem Verlust des Arbeitsplatzes sind auch finanzielle Einschnitte in der Belegschaft wenig erwünscht. Beispiel: der Umbau einer Sandstrahlkabine für Stahlbearbeitung im Rahmen einer Umwelt- und Arbeitsschutzmaßnahme bedeutet möglicherweise, dass für die Beschäftigten Zulagen wegfallen.

Gegen die Neuanschaffung der Anlage aufgrund von Umweltschutzauflagen besteht aufgrund persönlicher Nachteile im Einkommen daher oftmals Widerstand trotz möglicher allgemeiner Verbesserung des Umwelt- und Arbeitsschutzes.

Lösungsansätze: „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten sich klar darüber sein, dass steigende Energie- und Rohstoffpreise Arbeitsplätze gefährden. Damit sichern zukunftsfähige Anlagen die Wettbewerbsfähigkeit und somit auch Arbeitsplätze. Gemeinsam mit der effizienten Nutzung von Materialien und Energie können Unternehmen Kosten sparen, dadurch Arbeitsplätze sichern und gleichzeitig einen Beitrag zur Schonung der Umwelt und zur Bewältigung des Klimawandels leisten.

4. Psychologische Probleme

Jede Veränderung im Betrieb löst bei den meisten Menschen Verunsicherungen, Befürchtungen und Ängste vor personellen Auswirkungen und persönlichen Einschnitten aus. Verständlich: in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit führen viele Maßnahmen zur Rationalisierung, sprich Arbeitsplatzverlust.

Gerade wenn es sich um neue Arbeitsinhalte oder -aufgaben handelt – die Erfahrung zeigt, dass die Verweigerungsrate hoch ist. Aber, die Krise zeigt es deutlich, zur Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze ist die ökologische Modernisierung notwendig.

Lösungsansätze: „Betriebsräte haben nach dem Betriebsverfassungsgesetz die Möglichkeit, Einfluss auf die Gestaltung von Produktionsprozessen zu nehmen und sollten mehr Verantwortung auch im Umweltschutz übernehmen.“ Jürgen Hoffmann weiter. „Dadurch eröffnet sich die Chance, Ressourceneffizienz stärker im Sinne der Arbeitnehmer zu gestalten und als Beitrag zur Standort- und Beschäftigungssicherung zu kommunizieren”. Wichtige Voraussetzung ist, die Beschäftigten zu beteiligen und zu motivieren, um Arbeitsalltag und Prozesse ressourceneffizienter zu gestalten. Das macht einen Wandel der Unternehmenskultur notwendig.“

05Mai

GRÜNE strahlen Kohlekraftwerk Datteln an

“Zuviel Kohle macht auch nicht glücklich. Für den Abriss!” war kilometerweit auf dem Kühlturm des Kohlekraftwerks in Datteln zu lesen. Wir GRÜNEN waren am 4. Mai in Sachen Klimakiller-Kraftwerk in Datteln, dem größten Schwarzbau Deutschlands, aktiv. Am Abend war der gigantische Kühlturm die Projektionsfläche für unsere Kritik an der verfehlten Klima- und Energiepolitik der CDU-FDP-Landesregierung.

Bereits am Nachmittag verzierten wir in Datteln einige Fußwege und Straßen mit dem gleichen Spruch. Vor das Dattelner Rathaus schütteten wir Schubkarren mit Kohle unter dem Motto: “Klima ohne Wenn und Aber – Kohle-STOP!”

Wir GRÜNEN setzen nicht wie andere auf Kohle oder Atom, sondern auf erneuerbare Energien, effiziente Energienutzung und Energiesparen. Mit einem Klimaschutzgesetz für NRW wollen wir große Schritte für das Klima erreichen. Allen, die auf Kohle setzen, prognostizieren wir für die NRW-Wahl am 9. Mai: Zuviel Kohle macht auch nicht glücklich!

08Apr

Nachgefragt: Was ist der Green New Deal?

Mit dem Green New Deal wollen wir in den nächsten fünf Jahren – durch gezielte Investitionen in Klimaschutz, Umweltwirtschaft, Bildung, Gesundheit und sozialen Arbeitsmarkt – bis zu 200.000 neue Jobs in Nordrhein-Westfalen schaffen. Das Konzept des GreenNewDeal wurde im letzten Jahr von uns zur Europawahl vorgestellt und – nicht nur bei der Klimakonferenz in Kopenhagen – in den Medien diskutiert. Die Frage nach (fast) einem Jahr – kennen die Menschen auf der Straße den Green New Deal bereits? Und wenn ja, was denken sie darüber? Um dies herauszufinden sind wir mit einer Kamera in Düsseldorf unterwegs gewesen und haben nachgefragt. Das Ergebnis: Auch wenn nur Wenige den Green New Deal kannten, stimmten die Befragten dem Konzept deutlich zu und hielten auch dessen Umsetzung durchaus für realistisch.

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Unser Konzept kurz & knapp zusammengefasst: der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion soll bis 2020 auf mindestens 22 Prozent steigen und die energetische Gebäudesanierung von etwa 200.000 Wohnungen pro Jahr unterstützt werden. Diese Investitionen sind wichtig für den Klimaschutz und fördern insbesondere den Mittelstand und das Bauhandwerk. Weiter neue Jobs sollen durch eine verbesserte Qualität der Bildungsangebote und durch den Ausbau von Ganztagsschulen und die frühkindliche Betreuung entstehen, sowie im Sozial- und Pflegebereich.

Wenn auch Du mehr über den Green New Deal erfahren möchtest, kannst Du uns natürlich gerne bei unseren zahlreichen Tourterminen besuchen und näher über die grüne industrielle Revolution informieren.

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