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20Apr

„Das ist Kathrin – sie ist heute mein Shadow“

Nachdem ich nun mein neues „politisches Leben“ auch abseits des Junge-Frauen-Programms etwas aktiviert habe und mein erstes LAG-Treffen und einen Besuch bei der Düsseldorfer Ratsfraktion mitgemacht habe, stand nun die dritte Etappe von „Jung, grün, weiblich, sucht…“ auf dem Programm – das Shadowing. Da ich persönlich und berufsbedingt sehr an Medien, besonders an „Neuen Medien“, sowie Kultur interessiert bin, bot es sich an, mal zu sehen wie Oliver Keymis, der nicht nur Vizepräsident des Landtags ist, sondern auch Medien- und Kulturpolitischer Sprecher, einen Arbeitstag verbringt.

Um 9.30 Uhr wurde ich am Freitag von Olivers Mitarbeiterin Doreen Rettke an der Pforte abgeholt. Und nachdem ich in Ihrem Büro einen Kaffee bekommen hatte, kam auch Oliver und begrüßte mich sehr herzlich und wir setzten uns in seinem Büro – mit toller Aussicht auf den Rhein – zusammen. Ich hatte sofort das Gefühl, dass er sich wirklich freute mich an diesem Tag dabei zu haben und es sehr witzig fand mich allen anderen als seinen „Shadow“ vorzustellen.

Da der Freitag ein Plenartag war, gab es natürlich viele Debatten und Abstimmungen, zu denen er ins Plenum musste und bei denen ich auf der Zuschauertribüne zusah. Super ist, dass ich nun weiß, wie man den Fahrstuhl im Landtag umgeht und durchs Treppenhaus direkt auf die Tribüne kommt – allein dafür hat sich der Tag schon gelohnt ;)

Zur Mittagszeit gab es ein Treffen mit der GRÜNEN Landtagsfraktion aus Bayern. Dort gab es neben Süppchen und Schnittchen interessante Gespräche mit den angereisten Süddeutschen. In Bayern sieht die Landespolitik als GRÜNER – wohl auf längere Sicht zur Opposition verdammt – nämlich ganz anders aus. Ein Grund mehr, gerne in NRW zu leben und als GRÜNE die Möglichkeit zu bekommen so viel zu gestalten – auch wenn es, wie Oliver mir am Abend beim Abschlussgespräch bestätigt, schwierig ist und Disziplin erfordert in einer Minderheitsregierung.

 

 

02Mrz

Willst du einziehen?

An diesem Mittwoch folgte der zweite Termin unseres Programms „Willst du mit mir gehen? Jung, Grün, weiblich sucht…“ Wir besuchten mit einer kleinen Gruppe die „NRW-Machtzentrale“ in Düsseldorf – den Landtag. Ein nettes recht modern und mit viel Glas gestaltetes, helles Gebäude – direkt am Rhein gelegen. Da ich nun auch schon mal einen Rundgang durch den Bundestag in Berlin und das Europaparlament in Brüssel gemacht habe, kam mir der Landtag auf den ersten Blick etwas klein geraten vor. Jedoch sollte man wissen, dass in Brüssel etwas mehr als 750 und in Berlin ungefähr 620 Abgeordnete, mit ihren Büros und Angestellten, Platz finden müssen. Dagegen ist es in Düsseldorf mit knapp 180 Volksvertretern recht familiär und übersichtlich.

Bei eisigem Wind und grauem Himmel trafen wir uns vor dem Eingang des Landtags, um von Hasret, der Mitarbeiterin von Verena Schäffer, die wir ja beim ersten Treffen schon kennengelernt hatten, abgeholt zu werden. Nachdem die Sicherheitsschleuse passiert war, die Jacken an der Garderobe hingen und sich alle noch einmal frisch machen konnten, wurden wir in einen halbrunden kinoähnlichen Saal gebracht. Eine junge Frau erklärte uns dort den Aufbau des Landtags und wie man Abgeordnete wird – egal ob mit oder ohne Partei, die einem den Rücken stärkt. Natürlich gab es auch noch allerlei amüsante Fakten drum herum. Zum Beispiel, dass der Landtagspräsident ein CDUler ist, da sie bei der Wahl ein paar Stimmen mehr ergattern konnte als die SPD, im Endeffekt aber beide Parteien die gleiche Anzahl Sitze inne haben. So dürfen bei Debatten auch immer die Abgeordneten der CDU zuerst sprechen und dann folgen die Parteien mit der jeweils nächst geringeren Sitzplatzanzahl.

Nach diesem kleinen Exkurs in die politische „Theorie“, wurden wir zur Besuchertribüne des Plenarsaals gebracht. Das Motto dort: Nicht quatschen, nicht klatschen! Die Politiker im Saal müssen schließlich arbeiten und sollen nicht durch Zwischenrufe gestört werden. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, ließ die Höflichkeit unten im Saal viel eher zu wünschen übrig. Da wurde umhergerannt, Zeitung gelesen, mit dem Sitznachbar gequatscht und den Rednern ins Wort gefallen. Zwischenzeitlich war der Plenarsaal recht leer, da die Abgeordneten sich an den Sitzungstagen zwar im Landtag aufhalten müssen, jedoch nicht ständig bei den Reden anwesend sein müssen. Das wäre auch recht viel verlangt, denn so ein Tag geht gerne einmal von morgens 10 bis abends um 21 Uhr. Irgendwann muss dann mal ne Pause eingeschoben oder eine Besuchergruppe begrüßt werden ;) So kommt es vor, dass bei kleineren Fraktionen zwischenzeitlich kein Stuhl besetzt ist und viele nur erscheinen, wenn ein für sie relevantes Thema an der Reihe ist oder sie selber sprechen müssen. Wir hatten an diesem Tag Glück und konnten eine Zeit lang den Debatten rund um den Haushalt 2011 lauschen. Ein spannendes Thema! Es sei auch jedem ans Herz gelegt einfach mal nach Düsseldorf zu fahren und sich ein paar Debatten, zu Themen die einen interessieren, anzuhören. Man wird auf jeden Fall gut unterhalten und kann auch von dem ein oder anderen Abgeordneten noch etwas über Schlagfertigkeit lernen.

Zu guter Letzt trafen wir noch Verena, die sich an diesem Tag ein Stündchen für uns freigeschaufelt hat. Wie bei unserem ersten Treffen sprachen wir auch diesmal über ihre Arbeit. Nun jedoch etwas konkreter und hauptsächlich über die alltäglichen Dinge sowie die Anfangsschwierigkeiten, mit denen man als junge Abgeordnete zu kämpfen hat. Jedoch gab sie uns auch mit, dass man sich keine Sorgen machen muss. Man muss sich vieles selbstständig erarbeiten und hat viel Freiraum, aber es helfen einem die „alten Hasen“ immer gerne weiter und mit der Zeit lernt man sich und seine Themen gegenüber den Alteingesessenen zu behaupten.

10Feb

Willst du mit mir gehen?

Irgendwie will ich was machen, so was Politisches halt. Aber was? Und wie? Und wo? Und so ganz allein? Ich kenne ja niemanden sonst, der sich auch bei den Grünen engagiert.

Bis jetzt hielt ich mich politisch hauptsächlich „passiv“ auf dem Laufenden und informierte mich über viele Dinge im Internet. Jedoch fand ich nie den Weg zu einer Veranstaltung. Im Netz entdeckte ich auch das Programm „Willst du mit mir gehen? Jung, Grün, weiblich sucht…“  Wie gut, dass mal jemand fragt, dachte ich und sagte sofort ja und füllte das Anmeldeformular aus.

Ein bisschen nervös traf ich dann am Einführungswochenende Ende Januar in der Landesgeschäftsstelle (LGS) in Düsseldorf ein. Mir war noch nicht ganz klar, was mich erwartet und so betrat ich kurz nach 18.00, abgehetzt von der Parkplatzsuche, den Besprechungsraum im hinteren Teil der LGS. Ein paar junge Mädchen und Frauen warteten dort schon und ich merkte, dass ich nicht als einzige nervös und gespannt auf’s Wochenende war.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erfuhren wir von Sabine Brauer etwas über die Hintergründe des Frauenförderungsprogramms. Eigentlich soll das Verhältnis von Frauen und Männern in entscheidenden Positionen und Gremien ausgewogen sein. Es gibt ja auch sehr, sehr viele Frauen in der Partei. Jedoch trauen sie sich wohl seltener – so wie ich wohl auch – in den Vordergrund. Deshalb sollen wir nun mit diesem Wochenende und den noch folgenden Veranstaltungen dazu ermutigt werden uns in der Partei unseren Platz zu suchen und uns aktiv einzubringen.

Am Samstag fanden wir uns morgens um 9.30 Uhr wieder alle in der LGS ein und trafen dort, nach einem Ausflug in die Geschichte und Struktur der Grünen, auf Edith Börner. Als gelernte und erfahren Schauspielerin und Referentin bei Seminaren der Heinrich Böll Stiftung brachte sie uns bei einem Rhetorik- und Präsenztraining bei, wie wir selbstsicher auf andere wirken und wie wir eine selbstbewusst klingende Stimme bekommen, um diskutieren und wilde Reden schwingen zu können. Nach dem Training wurde es wieder etwas ruhiger und wir erfuhren noch viel von Verena Schäffer über ihre Arbeit im NRW-Landtag. Als jüngste Abgeordnete berichtete sie über ihre 70-Stunden-Woche und über Diskussionen mit älteren CDU-Herren, die mitunter furchtbar anstrengend sein können. Dabei merkte ich auch, dass es egal ist, wie ich und wie wir uns bei den Grünen einbringen wollen – die Hauptsache ist, mit viel Enthusiasmus und Spaß an Themen und Diskussionen an die Arbeit zu gehen.

Und nun freue ich mich erst einmal auf ein Wiedersehen mit Verena am 23. Februar im Landtag.

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