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22Feb

Wüst tritt zurück

Der Mann fürs Grobe in der NRW-CDU muß – knapp elf Wochen vor der Landtagswahl – das Team von Jürgen Rüttgers verlassen. Mit seinen fragwürdigen und höchst dubiosen Aktionen ist Hendrik Wüst nicht zum ersten Mal negativ aufgefallen.

Die Chronik der VerWÜSTung

Die rechte Hand von Jürgen Rüttgers hat in den letzten Monaten einiges verbockt. Die Liste seiner Verfehlungen ist beachtlich lang (und bestimmt nicht vollständig): Es begann mit der  Videoüberwachung von Wahlkampfveranstaltungen der Opposition, dann wurde seine Krankenversicherungsaffäre im letzten Dezember bekannt und jetzt noch der Verkauf von Audienzen beim NRW-Ministerpräsidenten auf dem CDU Parteitag in Münster. Zusätzlich leistete sich Wüst (im nicht politischen Leben ist er Jurist) sich auch noch Rechtstreitigkeiten durch unzulässigen Entlassungen in der CDU-Zentrale. Sein heutiger Rücktritt war längst überfällig!

Verstoß gegen das Parteiengesetz – Muss der Bundespräsident eingreifen?

Wüst ist aber nur ein Bauernopfer, um die Öffentlichkeit und Medien zu beruhigen. Immerhin hat Rüttgers ihn lange genug freie Hand gelassen und Wüst konnte störungsfrei vor sich hinwüten. Spannend wird es sein, wie es nun weitergeht. Das Handesblatt zitiert den Parteienforscher Martin Morlok, der den Verkauf von Gesprächszeiten für einen Verstoß gegen das Parteiengesetz hält. Sollte tatsächlich Geld geflossen sein, müsse Bundespräsident Köhler der Sache nachgehen. So oder so: Die WählerInnen sollten ihre Konsequenzen ziehen – Politik darf nicht käuflich sein! Deshalb am 9. Mai: Schluß mit Schwarz-Gelb!

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18Dez

Städtebauliche Qualität entsteht durch Vielfalt

Seit dem Ausgang des Schweizer Volksentscheids verfolge ich die Presseberichterstattung zum Minarettverbot und die sich anschließenden Diskussionen über die Auswirkungen des Minarettbaus auf unsere abendländisch und christlich geprägte Stadtbaukultur.

Die außerordentlich emotionalisierte Debatte berührt die Gemüter. Den Moscheebauern wird vorgehalten, die Islamisierung der Gesellschaft voranzutreiben. Aus meiner Sicht gibt es dabei ein eklatantes Missverhältnis zwischen Ängsten vor dem Unbekannten und realer Bedrohung. Gerade deshalb ist es wichtig, die Probleme im Zusammenleben offen zu benennen und ernst zu nehmen. Denn mit den Ängsten der Menschen ein politisches Geschäft zu machen, ist für ein gelungenes Zusammenleben der falsche Weg. Das darf nicht sein. Hier wird ein Streit auf ein architektonisches Detail zugespitzt, das aber nur Platzhalter für eine misslungene Integrationspolitik ist. Gerade großstädtische Stadtbilder sind unter anderem geprägt von Parallelgesellschaften in denen augenscheinlich überwiegend muslimische MigrantInnen ihre Kultur, ihren Lebensstil und ihre Religion leben. Für Berlin kann ich sagen, gerade das macht die Stadt trotz aller in diesem Zusammenhang stehenden Probleme so außerordentlich spannend, für Besucher aber auch für die hier lebenden Bürger und Bürgerinnen.

Vorgestern war in der „Welt“ zu lesen, dass die Nordrhein Westfälische Initiative „Pro NRW“  bis zur NRW Landtagswahl gemeinsam mit anderen Rechtsparteien eine politische Strategie entwickeln will, um Neubauten muslimischer Gebetshäuser auch in der Bundesrepublik zu verhindern. Mit der weiteren Verselbständigung dieser Bestrebungen in der gesellschaftspolitischen Diskussion lösen wir kein einziges Integrationsproblem. Wir benötigen eine faire Auseinandersetzung mit den muslimischen EinwanderInnen deren Ziel ein friedliches Miteinander sein muss. Um es mit den Worten des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Samuel Korn, zu sagen: „Wer baut will bleiben“, sich in unsere Gesellschaft einbringen und teilhaben.

Städtebauliche Qualität entsteht durch Vielfalt und die städtebauliche Integration von Moscheen oder Minaretten ist eine architektonisch und städtebaulich lösbare Aufgabe. Für mich sind Gelsenkirchen oder das geplante Minarett in Köln gelungene Beispiele.

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09Dez

Verschuldungs-Wachstums-Beschleunigungsgesetz für Kommunen

Ich wusste gar nicht, dass ich einmal so viel Freude an Peter Harry Carstensen haben würde, der mit seiner Aussage „Ihr habt sie doch nicht alle!“, gerichtet an die schwarz-gelbe Bundesregierung mit ihrem so genannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz, den Nagel auf den Kopf trifft.

Mitten in der Wirtschaftskrise und in einer Phase größter Finanznot der Städte und Gemeinden, provoziert die neue schwarz-gelbe Koalition im Bund zusätzliche Steuerausfälle für Länder und Kommunen. Damit wird die öffentliche Hand systematisch geschwächt. Viele Städte und Gemeinden sind schon jetzt handlungsunfähig.

Auch der Appell an Schwarz-Gelb in NRW im Rahmen der Haushaltsberatungen der vergangenen Woche verhallte ungehört. Gebetsmühlenartig wird seitens der schwarz-gelben Regierungen wiederholt, dass für Wachstum Schulden gemacht werden müssen, dass nur Steuersenkungen zu Wachstum führen. Das haben schon Maggie Thatcher und Ronald Reagan probiert – und sind gescheitert.

Da appelliert der Solinger CDU-Oberbürgermeister Norbert Feith an den NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers, sich für eine kommunale Finanzreform einzusetzen. Da bittet der ehemalige Solinger Alt-Bundespräsident Walter Scheel von der FDP in einem Schreiben seinen Parteikollegen Pinkwart um Unterstützung für die Kommunen. Aber ein Innenminister Ingo Wolf, auch von der FDP und im Rahmen seines Ressorts eigentlich zuständig für die Kommunen und ihre Finanzen, erklärt in geradezu zynischer Art und Weise, dass Städte und Gemeinden ihre Infrastruktur mal den sinkenden Einwohnerzahlen anpassen und eigene Anstrengungen zur Lösung ihrer Finanzprobleme unternehmen sollten. Sprich, er fordert die Kommunen auf, “ihre Hausaufgaben zu machen”, dann käme die kommunale Finanzwelt schon wieder ins Lot. Das ist mehr als eine Unverschämtheit gegenüber den Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern, die vor Ort seit Jahren versuchen, ihre Haushalte zu konsolidieren und dabei die notwendigen Aufgaben zu erfüllen (nennen möchte ich an dieser Stelle nur zwei prominente Felder: Kultur und U3-Ausbau). Denn statt besser, wird es immer schlimmer!  

Während Expertinnen, Experten und auch andere Ministerpräsidenten (wie der bereits genannte Carstensen) deutlich machen, wie widersinnig das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz ist und vorrechnen, wie das Geld besser investiert werden könnte, scheint es zwischen Merkel und Rüttgers einen “Nichtangriffspakt” zu geben. Im kommenden Mai steht die Landtagswahl in NRW an. Deshalb hat Rüttgers natürlich ein Interesse daran, dass jetzt die CDU-Klientel bedient wird und bittere Entscheidungen, etwa in der Gesundheitspolitik oder um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken nicht vor besagtem Mai für Furore sorgen. Da werden sicherlich noch Einige überrascht sein, was nach der NRW-Wahl so aus den Regierungs-Hüten gezaubert wird.

Das Gebot der Stunde in der Krise wären öffentliche Investitionen in Klima, Bildung und soziale Gerechtigkeit. Das wäre Handeln gegen die Krise. Nicht diese als “Wachstumsbeschleuniger” verpackte Steuergeschenke für Besserverdienende.

Machen wir die kommende Landtagswahl nicht nur zu einer Abstimmung über die Landespolitik, sondern auch zu einer Abstimmung über die Stümperei auf Bundesebene und über die desolate Situation, die Schwarz-Gelb in den Kommunen unseres Landes angerichtet hat.

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09Dez

Die diskrete Erotik einer Gemeindeordnung

Am Wochenende war ich in Schleswig-Holstein, um einen Freund zu besuchen. Und jetzt, auf dem Rückweg (und mit der Erkenntnis, dass Nahverkehrszüge doch auch angenehme Verkehrsmittel sein können, aber dazu vielleicht wann anders mehr) fiel mir ein, dass ich hier mal ein Loblied auf die Schleswig-Holsteinische Gemeindeordnung bloggen könnte.

Nun ist ja eine Gemeindeordnung sicherlich eines jener Dokumente, die zwar wichtig, aber eben doch immer nur wichtig sind, und es wohl nie zu literarischem Ruhm bringen werden. Denkt man, denn dieser Weg bleibt der Gemeindeordnung erspart, seit es KommunalpolitikerInnen gibt. Die wissen um den diskreten Charme, wenn nicht gar die Erotik einer guten Gemeindeordnung, mit der Städte und Gemeinden im Land einen anständigen Rahmen erhalten, der auch Freiräume für lokale Gestaltung und Luft zum Atmen lässt.

Als Kommunalo mag ich natürlich die Gemeindeordnung NRW sehr gerne, auch wenn sie reichlich an Attraktivität verloren hat, seit Ingo Wolf von der FDP Kommunalminister geworden ist. Die Freiräume, die ich mir von einer Kommunalverfassung erwarte, hat Schwarz-Gelb jedenfalls restlos einkassiert: Die (Ober)BürgermeisterInnen dürfen mehr und brauchen dafür – Wegfall der Stichwahl sei Dank! – eine geringere demokratische Legitimation. Die Verlängerung der Amtszeiten der OB war ein recht unappetitlicher Kuhhandel und hinter der eigentlich so anmutigen 107 verbirgt sich in der Gemeindeordnung NRW mittlerweile ein Paragraph, der dem „Privat vor Staat“ – Gerede der Landesregierung Gesetzeskraft verleiht.

Das alles muss in Schleswig-Holstein gar nicht so anders sein, so stark hab ich mich in die dortige Kommunalverfassung nicht eingearbeitet. Aber es gibt eine ganz wunderbare Regelung, versteckt im Paragraph mit der unscheinbaren Nummer 47f:

§ 47 f

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

(1) Die Gemeinde muss bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen. Hierzu muss die Gemeinde über die Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner nach den §§ 16 a bis 16 f hinaus geeignete Verfahren entwickeln.

(2) Bei der Durchführung von Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, muss die Gemeinde in geeigneter Weise darlegen, wie sie diese Interessen berücksichtigt und die Beteiligung nach Absatz 1 durchgeführt hat.

Warum nicht immer so? Und vor allem: Warum nicht auch bei uns in NRW? Meine Bielefelder Praxiserfahrung lässt manche Hoffnung darauf, dass die Erkenntnis vor Ort ankommt, dass junge Leute was zu sagen haben, gering erscheinen. Denn besonders die großen Parteien sind selten bereit, ihre alten Strukturen hinterfragen zu lassen. Das allerdings können junge Menschen ganz besonders gut. Beständig bohren hilft zwar und macht BürgerInnenbeteiligung an einzelnen Stellen möglich. Aber meiner Erfahrung nach ist gerade alteingesessenen KommunalpolitikerInnen das Hinterzimmer näher als die bürgerschaftliche Öffentlichkeit und Partizipation nur gern gesehenes Motiv in Sonntagsreden.

Dabei gibt’s einiges zu tun: Schließlich ist die Wahlbeteiligung gerade auf kommunaler Ebene bei den ErstwählerInnen in diesem Sommer katastrophal ausgefallen. Viele, die nicht direkt demokratische Erfahrungen machen, laufen Gefahr, sich vom Mitmachen abzuwenden. Dass Demokratie keine leichte Übung ist, aber eine, die sich lohnt, das sollte sich IM Wolf mal überlegen. Dann würde er vielleicht ein Beteiligungsprogramm auflegen und nicht seinen Verfassungsschutz mit Comicmalen beschäftigen.

Echte Demokratie wird’s wohl nur mit GRÜN geben. Recht praktisch eigentlich, dass eine Landtagswahl vor der Tür steht. Den Ruhestand könnte Wolf dann ja am Nordseestrand verbringen. Mit einem guten Buch oder der Schleswig-Holsteinischen Gemeindeordnung.

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02Dez

Schickt den Hendrik in die Wüste!

Tja, wer hätte das gedacht: Da fällt doch der Law-and-order-Mann Nr. 1 der NRW CDU negativ auf, weil er sein Gehalt aufbessert. Ein Gehalt von knapp 18.000 Euro monatlich, wohlgemerkt (8.000 Euro als Generalsekretär plus 9.633 Euro als Landtagsabgeordneter). Hendrik Wüst hat 5.000 Euro aus der Landeskasse zu unrecht kassiert. Sowohl der Landesverband der CDU als auch der Landtag hatten ihm Arbeitgeberanteile für seine Krankenversicherung überwiesen – da er aber nur einmal an die Krankenkasse zahlt, und zwar als Generalsekretär, bezog er die Beträge des Landtages zu unrecht.

Nun mag man der Meinung sein, so etwas kann schon mal passieren. Man muss sich aber vor Augen halten: “Normale” Menschen, die nicht über ein solches Monatseinkommen verfügen, werden schon für den Verzehr einer Milchschnitte im Wert von 30 Cent oder eines Frikadellenbrötchens gefeuert. Folgt daraus nicht, dass gerade jemand wie Wüst, der sich 5.000 Euro vom Staat erschleicht, ebenfalls seinen Hut nehmen müsste? Wüst sagt zwar, der Vorgang wäre ein Versehen gewesen, er hätte die einschlägigen Vorschriften nicht gekannt. Aber seit wann kann man sich mit Unwissenheit seiner Verantwortung entziehen? Vor allem, wenn man wie Wüst zugelassener Rechtsanwalt und ehemaliger Unternehmensberater ist, dem man eine gewisse Sachkenntnis der Materie schon unterstellen darf. Fragt er sich mit Blick auf seine Kontoauszüge und Gehaltsabrechnungen nicht, warum er nur einmal an die Krankenkasse zahlt, aber doppelt kassiert? Und verfügt Wüst nicht über ausreichend MitarbeiterInnen in der CDU-Zentrale und in seinem Abgeordnetenbüro, die solche Fehler entdecken könnten?

Letzteres ist passiert, der Fehler fiel auf und wurde bekannt. Nun müssen aber die MitarbeiterInnen der Landesgeschäftsstelle der CDU NRW für ihr couragiertes Vorgehen mit Konsequenzen rechnen. Fristlose Kündigungen sind ausgesprochen worden, die nächsten Tage bleiben abzuwarten. Weist man also auf offensichtliches Unrecht hin, wird man in der CDU NRW gefeuert. Aber man kann und darf den MitarbeiterInnen an dieser Stelle keinen Vorwurf machen, schließlich geht es um ihr Steuergeld!

Hendrik Wüst taugt nicht als Generalsekretär, er lässt seine Angestellten für eigene Fehler büßen und erfüllt die an andere gestellten Ansprüche selbst nicht. Und als Landtagsabgeordneter taugt er noch weniger, wie die Unterschlagung von 5.000 Euro zeigt. Egal, ob dies absichtlich oder unabsichtlich geschah: So sieht kein Volksvertreter aus, so etwas darf keinem Politiker passieren. Schickt den Hendrik in die Wüste!

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